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Nintendo Switch – neue Spielekonsole oder Aufbruch in neue Märkte?

Von am 10.01.2017

Vorneweg sollten zwei Dinge erwähnt werden:
1. Dies ist ein klassischer Blog Beitrag. Ihm liegen keine tiefgehenden wissenschaftliche Analysen und Fakten zu Grunde. Das Meiste im folgenden Text basiert auf meiner persönlichen Einschätzung und Interpretation über die (bis jetzt) spärlich vorhandenen Informationen zu Nintendos kommender neuer Spielekonsole.
Gemischt mit meiner höchst subjektiven Wahrnehmung der technologischen Entwicklung der letzten Jahre ;).
Kurzum: Am Ende stehen hier hauptsächlich wilde Hypothesen, die nicht bewiesen sind und sich wohl erst mit der Zeit von selbst beweisen (oder widerlegen) werden.
… Trotzdem glaube ich, dass diese Hypothesen bereits jetzt ganz interessant sein könnten.

2. Um das hier interessant finden zu können muss man, so glaube ich zumindest, absolut nichts mit dem digitalen Spielesektor am Hut haben… ein generelles Faible für digitale Technik, speziell im mobilen Bereich und/oder allgemein im Entertainment-Bereich, sollte es auf jeden Fall rechtfertigen, diesen Beitrag zumindest mal zu überfliegen.
Denn am Ende entschließt man sich möglicherweise, eine kommende technische Plattform (namentlich: die Nintendo Switch) zumindest ein wenig im Blick zu behalten, selbst wenn einen digitales Gaming eher gar nicht interessiert ;).

Damit aber genug der VORworte. Dafür kommt jetzt erst mal ein RÜCKblick ;).

Das Smart“phone“
Eigentlich ist es nicht so lange her, da gab es keine Smart“phones“. Also keine digitalen Alleskönner -> kleine Rechner, mit allerhand integrierten Sensoren, einer Kamera zwei Kameras, mindestens einem Mikrofon … und einer großen Anzahl an unterschiedlichen externen Verbindungsmöglichkeiten, die man so (zumindest im kabellosen Bereich) selbst bei gängigen PCs oder gängigen Notebooks nicht vorfindet (natürlich kann man an dieser Stelle auch die Frage stellen, ob und warum man bei handelsüblichen PCs Technologien wie etwa NFC überhaupt benötigen würde – aber darum geht es hier ja nicht).

Ein wesentlicher Faktor, der diese kleinen Alleskönner so praktisch macht, ist ihre portable Form, kombiniert mit ihrer Vielfältigkeit. Die Vielfältigkeit kommt zu einen daher, dass sie über diese, gerade eben angesprochene, Vielzahl an technologischen „Einzelbausteinen“ verfügen, die in Kombination miteinander und der entsprechenden Software dahinter ganz unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten erlauben.
Telefonieren ist eine davon – bei weitem aber nicht mehr die Beliebteste… dass diese Geräte also tatsächlich Smart“phones“ heißen, dürfte eher ihrer historischen Herkunft geschuldet sein:

Bevor Apple sein erstes iPhone 2007 herausbrachte, experimentierte der damalige Markführer im Segment der Mobiltelefone – namentlich: Nokia – schon länger mit Geräten, die für mehr als hauptsächlich Telefonieren konzipiert waren. Diese Geräte waren mit einer offenen Architektur ausgestattet (offener als bisherige Mobiltelefone jedenfalls), die es erlaubte, die Grundfunktionen des Betriebssystems durch zusätzliche Software zu erweitern.
Zu erwähnen ist hier zum Beispiel die Nokia Communicator Reihe…

Wie auch immer: Erst Apple hat dieses Konzept für den Durchschnittsanwender wirklich perfektioniert. Einer der Hauptgründe lag dabei aber nicht nur bei der offenen Software Architektur, sondern im Faktor ihres grundsätzlichen Hardwaredesigns:
Die Verschmelzung der essentiellsten Inputs (Pointing Device, Keyboard) und Outputs(hochauflösendes multicolor Display) eines normalen PCs oder eines Notebooks zu einer kleinen, im Formfaktor sehr praktischen, Einheit -> namentlich dem Touchscreen.
Natürlich hat Apple nicht als erster einen Touchscreen in ein Mobiltelefon verbaut. Und erst recht hat Apple den Touchscreen natürlich nicht erfunden.

Aber Apple hat das gemacht, was diese Firma am besten kann: Bestehende Dinge für den Endanwender so weit perfektionieren und aufeinander abstimmen, dass eine wirklich rundum gutes Endprodukt dabei rauskommt.
Der Touchscreen im ersten Smartphone, das auch in einem breiteren Marktsegment kommerziell wirklich erfolgreich war, bildet einen Bildschirm, ein Pointing Device (wie eine Maus) und ein (virtuelles) Keyboard ab. Natürlich ist das Pointing Device längst nicht so präzise wie eine Maus, die Tastatur eignet sich längst nicht so gut für längere Texte, wie ein herkömmliches Hardwarekeyboard mit entsprechendem Formfaktor. Der Bildschirm ist für ein produktives, multitasking-lastiges Arbeiten natürlich nicht mit einem großen Screen vergleichbar – ABER diese Dinge benötigte unterwegs ohnehin keiner.
Unterwegs muss man schnell Informationen einholen können, kurze Nachrichten verschicken, oder einfache kurze Tasks (wie das Organisieren von Terminen) erledigen können. Im Business Bereich -> im privaten Bereich hat man unterwegs sogar noch viel weniger Anforderungen…
Kein Wunder also, dass dieses Konzept nur gewinnen konnte.

Natürlich sind all diese Tatsachen nichts Neues.
Es sollte an dieser Stelle lediglich verdeutlicht/in Erinnerung gerufen werden, wie in den letzten Jahren aus mobilen Telefonen kleine, extrem universelle Rechner wurden, die durch ihre verbaute Hardware und ihre Portabilität ein enormes Einsatzspektrum erreicht haben. Bei dem Wort Smart“phone“ würde jemand, der nicht genau wüsste was hinter diesem Begriff tatsächlich steht, an ein sehr dediziertes Gerät denken – ein Telefon. Ein Telefon, das halt vielleicht noch ein paar extra Features besitzt…
Dabei sind Smart“phones“ eigentlich Geräte, mit denen man viele, viele, viele smarte Dinge machen kann… unter anderem z.B. halt auch telefonieren..

Spätestens als das Tablet dann aufkam, war der Faktor „Phone“ aus der Gerätebezeichnung endgültig gestrichen. Weil sich das Tablet (das ja eigentlich nichts anderes ist, als ein großes Smartphone), in Anbetracht seines Formfaktors, eher schlecht zum Telefonieren eignet.
Oh.. und zudem haben ja längst nicht alle Tablets Slots für SIM-Karten verbaut. Man könnte also meinen, mit Tablets kann man also gar nicht telefonieren..

Und dennoch kann man mit JEDEM Tablet heute Telefonieren. Weil auch das Telefonieren selbst sich von einem dedizierten Service, der von dedizierten Anbietern (wie Mobilfunkprovidern) zu einer sehr viel offeneren Anwendung gewandelt hat:
Es müssen ja lediglich Daten von A nach B übertragen werden und Empfänger B muss halt verstehen, wie Absender A spricht. Völlig egal ob das jetzt über irgendwelche fixen, dezidierten, Standleitungen passiert oder über Mobilfunkmasten, oder, oder, oder…
Gleiches ist z.B. mit dem Fernsehen zu beobachten.
Hat man früher Fernsehen über dezidierte Broadcasting Anbieter empfangen, sehen wir heute z.B. über Mobilfunkmasten auf unserem Smartphone z.B. via Netflix fern.
Und andererseits telefonieren wir zuhause z.B. über unser WLAN, das sich über unseren Kabelfernseh-Provider (wie z.B. Kabelplus) ins Internet verbinden -> etwa mittels Skype oder einen von vielen, vielen anderen vergleichbaren Diensten.

Was sich in Wahrheit also in den letzten Jahren entwickelt hat, ist der Weggang von dedizierten Services, Technologien und auch Geräten.
Hin zu so offenen Services, Standards und Devices.
Devices mit einem so breiten und vielseitigen Standard-Hardware-Umfang und einem so breiten Spektrum an Standard-Interfaces, dass nahezu alle denkbaren möglichen Szenarien/Services auf jedem möglichen Gerät genutzt und abgebildet werden können…
Es muss immer nur noch die entsprechende Software zur Verfügung gestellt werden. Dann kann man telefonieren -> aber auch Messages aller Art verschicken, Informationen aller Art einholen, fernsehen, spielen, andere Geräte fernsteuern, und und und.
Von wegen also Smart“phone“ 😉

Die „Spiele“konsole
Vor ein paar Monaten habe ich mit meinem Bruder telefoniert (gut.. das mache ich öfter.. aber es geht jetzt um ein bestimmtes Gespräch).
Er meinte, dass seine Tochter nicht dauernd das Notebook über Kabel mit dem Fernseher verbinden will, wenn sie Netflix sehen will und ob man Netflix nicht eigentlich auch direkt am Fernseher „empfangen“ kann. Er hat da mal sowas gelesen……
Ich fragte ihn, ob es ein smarter Fernseher ist (es war noch ein relativ neues Gerät – etwas über ein Jahr alt). Mein Brunder entgegnete mir lediglich, dass er schon findet, dass das er ziemlich smart aussieht.
Tja.. Mit der Aussage ließ jetzt erst Mal nicht viel machen ;).

Über den Preis des Geräts habe ich dann geschlussfolgert, dass es sich eher nicht um ein Smart-TV Gerät handeln wird.
Das Gespräch ging dann einige Minuten. Minuten, in denen ich ein wenig versucht habe ihm zu erklären, worauf es ankommt…
Ich habe ihm z.B. erklärt, dass er einen Google Chromecast verwenden könnte – dann könnte er mit einem externen smarten Gerät (wie dem Notebook) einfach jeden beliebigen Netflix Stream an den Stick schicken (und der Stick empfängt und decodiert den Stream dann sogar direkt, ohne dass das externe Gerät die ganze Zeit als Zwischenstation herhalten muss).

Bis wir an diesem Punkt des Gesprächs angelangt waren, war dann schon einige Zeit vergangen, weil ich ihm halt immer wieder versucht habe, einige Dinge zu erklären und ihm nahe zu bringen, dass, wenn sein Fernseher nicht smart ist, er halt einfach irgendwas anderes smartes braucht, das man irgendwie mit dem Fernseher verbinden kann. Also „einfach nur“ „irgendwas“, das sich ins Internet verbinden kann, das eine halbwegs offene Architektur besitzt und mit dem man dann halt irgendwie die Audio und Video Signale an den Fernseher weitergeben kann.

Er wollte allerdings nicht unbedingt noch ein zusätzliches neues teures Gerät anschaffen müssen. Wenn überhaupt, dann noch ein Kabel oder höchstens etwas in der Preiskategorie eines Google Chromecast Sticks…
Doch sein Einwand, nachdem ich ihm erklärt habe, was der Chromecast genau macht, war auch nicht ganz unberechtigt.
Der, bis dahin zum Netflix schauen verwendete Laptop, war ein Firmenlaptop -> und mein Bruder (und ich) wusste nicht, ob er das entsprechende Browserplugin da so einfach installieren konnte.
Und von seinem PC wollte er den Chromecast nicht steuern -> denn jedesmal zum PC gehen zu müssen, wenn man auf dem Fernseher im anderen Zimmer was streamen möchte, ist auch nicht wirklich so sexy…

Aber da war ich natürlich noch längst nicht am Ende, mit meinem Latein ;D.
„Es kann ja auch ihr Smartphone Smart“phone“ sein, über das sie streamt. Und nein: das muss sie ja noch nicht mal mit dem Fernseher über Kabel verbinden. Da gibts ne App für den Chromecast und schon pfeift das. Fertig. Also musst du jetzt wirklich nur noch den Chromecast besorgen.“.

Kaum war das ausgesprochen, erinnerte ich mich daran, dass seine Tochter ja ein iPhone hatte (Teenager…). Da war ich mir dann doch weder unsicher, ob das so einfach ging, was ich gerade noch so großmäulig behauptet hatte.
Erst denken. Dann reden….
Ich war mir nicht sicher, ob man das iPhone so ohne Weiteres mit Chromecast verbinden konnte (heute weiß ich es besser ;D).
Ich wusste zwar, dass es auch einige andere Anbieter von Streamingsticks gab, die in diesem Szenario vielleicht etwas bringen konnten – aber ich wollte ihm nichts empfehlen, womit ich keine persönliche Erfahrung gemacht hatte… Sonst würde er Geld rauswerfen und es würde im schlechtesten Fall nicht funktionieren.

Das Gespräch ging zu dem Zeitpunkt dann doch schon eine kleine Weile und dann habe ich irgendwann mal gesagt „HEAST! Des gibts ja net.. ich hab zuhause zumindest 4 verschiedene Möglichkeiten, wie ich Netflix und Co. auf den Fernseher bekommen könnt… Da muss sich ja bei dir auch irgendwas fin…..“
Und dann schoss es mir ein:
„Du sag mal… ihr hattet doch mal eine Wii oder eine Wii U rumstehen. Gibts die noch?“
Die Antwort war „Ja, sicher.. aber was hat das damit zu tun?“
Und abermals versuchte ich ihm nochmals zu erklären, dass die meisten Geräte heute weitaus mehr sind, als das, was hinter ihrer Bezeichnung steht.

„Im Prinzip ist auch in so einer „Spiele“konsole nix anderes drin, als in einem Notebook oder einem PC. Ein oder mehrere Prozessoren, ein Bisschen Hauptspeicher, jedemenge standardisierte Interfaces (sowohl für input als auch für output, sowohl für Kabelverbindungen als auch für kabellose Verbindungen jeder Art). Und vor allem: Eine so offene Softwarearchitektur, dass jedermann alles mögliche dafür programmieren kann. Früher hat man „Programme“ dazu gesagt und das wurde eher mit dem PC assoziiert. Heute wird das Zeug heute meist ‚Apps‘ genannt und mit dem Smart“phone“ assoziiert. Das ist aber nichts Smart’phone‘ exklusives………“.
Es herrschte kurze Stille.
Und dann kam die Frage: „Wie jetzt… ich kann mit meiner Wii ernsthaft Netflix schauen?“.

An der Stelle werde ich die letzten Minuten des Gesprächs nicht mehr wiedergeben, weil nicht weiter relevant ;). Ich denke aber, dass an der Stelle klar wird, worauf diese nette kleine Erläuterung Telefonats aufmerksam machen sollte ;).

Nintendo Switch
Als ich, in freudiger Vorerwartung, das erste (vorab angekündigte) Video zur neuen Nintendo Konsole (die bis dahin unter dem Arebeitstitel „Nintendo NX“ bekannt war) sah, gingen mir ein HAUFEN Gedanken durch den Kopf.
Einer der ersten war: „Na, Gott sei Dank!“
Ich war zunächst mal sehr beruhigt darüber, dass Nintendo nicht auch auf diesen Zug aufgesprungen ist, den seine zwei Hauptkonkurrenten sich seit einigen Jahren liefern: Mit einfach nur immer besserer Hardware groß auftrumpfen und sich überbieten zu wollen. Trauriger Weise funktioniert das bei einem sehr breiten Publikum sehr gut. Und trauriger Weise werden dadurch wirklich gute Spiele (die im Idealfall sogar auch irgendeiner emotionalen Ebene stimulieren können – sei es durch eine tolle Story oder ein witziges Spielprinzip ) Mangelware und im Gegenzug steht Einheitsbrei steht auf der Tagesordnung. Hauptsächlich mordsbombastische grafische Effekte.. alles andere ist aber leider sehr oft zum Gähnen.
Aber das ist eine höchst subjektive Meinung und hat mit dem eigentlichen Thema auch nichts zu tun ;).

Wie auch immer: Nintendo blieb seinem Motto treu.
„Sollen sich die zwei Deppen doch weiterhin gegenseitig die Köpfe einschlagen… wir versuchen uns da dran vorbei zu schleichen und erneut unseren ganz eigenen Markt zu finden.“
Genau an der Stelle beginnt jetzt der (eventuell.. ist natürlich alles noch unbewiesen) genialste Schachzug, den Nintendo überhaupt nur machen hätte können.

Zunächst muss man einmal eines vorwegschicken: Mobiles Gaming war IMMER eines der größten Steckenpferde von Nintendo. They have invented the Gameboy. THE GAMEBOY! ;).
Was Nintendo über kaum ahnen konnte, war, dass dieses Marktsegement in den letzten Jahren sehr plötzlich von einer „anderen Seite“ – und zwar extrem unerwartet – geradezu im Sturm erobert wurde und das Zielpublikum dabei sogar noch erheblich vergrößert werden konnte.
Das Schlimmste dabei: Diese „andere Seite“ hatte das noch nicht einmal bewusst angestrebt. Diese „andere Seite“ repräsentiert einfach nur tragbare Geräte, die sich im Laufe der Jahre soweit weg von einem dedizierten Einsatz, hin zu enorm universellen und leistungsfähigen Alleskönnern entwickelt haben.

Soweit, dass sie dabei viele Märkten – wie z.B. den von Digitalkameras und MP3 Playern – erheblich beeinflusst haben. Mal ehrlich: Wer kauft heute noch einen MP3 Player? ;D.
Aber das waren nicht die einzigen Märkte..
Denn Step by Step (und sicherlich von niemandem beabsichtigt) nahmen diese Geräte – namentlich: Smart“phones“ und Tablets – eine enormen gewichtige Rolle im digitalen Spielemarkt ein. Und zwar gerade im mobilen Sektor. Eigentlich ja Nintendos Steckenpferd.

Nicht, dass Nintendo jetzt soviel eingebüßt hätte, dass man sich gleich Existenzsorgen hätten machen müssen: Auf was Nintendo immer noch bauen konnte, waren etablierte Eigenmarken und die jahrzehntelange Erfahrung Games mit „dem gewissen Etwas“ entwickeln zu können, die auch heute noch eine breite Fanbase hinter sich haben.
Aber auch so etwas währt nicht ewig. Der Markt ist schnelllebig. Die Konkurrenz groß und keinesfalls unbegabt und „Mario“ ist für Kids heute nicht mehr das was „Mario“ für meine Generation ist ;).
Gespürt hat Nintendo den Einzug der Smart“phones“ in den digitalen Spielemarkt alle Male. Zumal die Geräte in den lezten Jahren immer leistungsfähiger wurden und sich nicht mehr nur Games wie Doodle Jump flüssig spielen ließen. Und zumal diese Geräte eine großartige Plattform für den (ebenfalls stark wachsenden) Markt von Indie Game Developern darstellten.
Und mit den beiden Hardware- und Performancegiganten Microsoft und Sony als starke Konkurrenten am stationären Konsolenmarkt, steuerte Nintendo auf schwere Zeiten zu…
Und das weiß Nintendo auch. Deshalb – und alles was jetzt folgt, sind wirklich nur Hypothesen – hat Nintendo einen umfassenden Plan für eine künftige Positionierung des Konzerns und seiner Produkte geschmiedet. Und wenn man die Zeichen noch etwas freier interpretiert, sogar noch inklusive einem passenden Backupplan im Gepäck*, falls der Hauptplan nicht funktioniert.

Ein Paket – drei Geräteklassen
An dieser Stelle sollte man das Video zur Nintendo Switch zumindest einmal gesehen haben. Deshalb hier ein Link:

Zwei Dinge fallen bei diesem Video massiv auf. Beide sind, so denke, ich alles andere als Zufall. Eher massiv durchdacht..
1. Im ganzen Video wird kein einziges Mal gezeigt, dass das Display einen Touchscreen verbaut hat. Das ist insofern interessant, als dass Nintendo durchgehend bei seiner letzten Generation von mobilen Spielekonsolen (Nintendo DS), als auch bei seiner letzten stationären Konsole (Nintendo Wii U) massiv auf ein second Screen Konzept mit Touchscreen gesetzt hat. Gerade bei letzterer wahrscheinlich sogar zu massiv -> immerhin gilt dieses Feature, das externe Hersteller nicht auf Teufel komm raus in ihre Spiele integrieren wollten, als ein Grund für das wachsende mangelnde Desinteresse an der Konsole und deren kommerziellen Misserfolg.
Dennoch scheint es sehr unwahrscheinlich, dass Nintendo vollständig auf dieses Interaktionsmittel verzichten würde. Wenn es weniger als „Zwangfeature“ für neue Spiele und mehr nach dem Motto „you can use it, if it seems to make sense“ propagiert wird, ist diese zusätzliche Komponente ja wirklich eine sinnvolle (optionale) Ergänzung.

Und ganz ehrlich: Wer verbaut heute noch statische LCD Displays in so einem Formfaktor, wie er bei dem mobilen Teil der Nintendo Switch zum tragen kommt.
Es dürfte recht sicher sein, dass da ein Touchscreen kommt… Und es gibt auch schon erste (natürlich unbestätigte) Gerüchte dazu:
http://de.engadget.com/2016/10/28/ja-das-nintendo-switch-kommt-mit-touchscreen/
Warum also macht Nintendo so ein Geheimnis daraus? So ein Touchscreen ist nun wirklich keine technologische Enthüllung mehr, die man im letzten Moment loslässt um die Konsumenten vom Hocker zu hauen.
Und trotzdem: Es wurde geradezu auffällig darauf verzichtet, in diesem ersten Video der Nintendo Switch, Touchfeatures zu zeigen.
Meine Vermutung: Das wurde ganz bewusst noch ausgelassen, um noch nicht gleich zu offensichtlich zu machen, welche Überlegungen hinter der Nintendo Switch tatsächlich stecken könnten. Ich denke nämlich, dass das nächste Teaservideo inhaltlich GANZ anders ausfallen könnte. Nämlich sehr untypisch für eine „Spiele“konsole..

Das führt nun direkt zu:
2. Am meisten dürfte an der Nintendo Switch dieser unglaublich modulare Aufbau ins Auge stechen. Es ist eine mobile Konsole mit einer festen Station für den Heimbetrieb. Ob diese Station die Rechenleistung der Switch erhöht oder wirklich nur das Signal zum Fernseher weiterleitet, ist noch gänzlich unbekannt. Gerüchten zu Folge, soll das aber der Fall sein. Dies soll an dieser Stelle aber auch gar keine Rolle spielen.
Fakt ist, dass sich selbst der mobile Teil nochmals aufsplitten lässt. Und Fakt ist, dass der mobile Teil um ein vielfaches schlanker ist als etwa der Controller der Nintendo Wii U. Der Formfaktor ist wirklich ein ganz anderer und könnte in diesem Fall ein sehr entscheidender sein.
Nimmt man die Controller vom mobilen Device ab, erinnert dieses schon geradezu verdächtig an ein ganz anderes, mittlerweile sehr vertrautes, Gerät aus unserem Alltag: Es wirkt zu sehr wie ein Tablet, als dass es Zufall sein könnte.
Jetzt könnte jemand denken „WTF? Der Typ schreibt über 2300 Wörter, nur damit er hier behauptet „Die Nintendo Switch ist nichts weiter als ein Tablet, das man bei Bedarf mit zwei Gaming-Controller-Teilen bestücken kann und bei Bedarf auch recht easy mit dem Fernseher verbinden kann? Das scheint zwar nett.. aber nichts davon ist eine wirklich bahnbrechende neue Erfindung.“
Ja! Genau! Nichts davon ist neu. So wie auch der Touchscreen beim iPhone und überhaupt das ganze Smartphone-Konzept dahinter nicht neu war. Aber es war etwas anderes: Extrem durchdacht**.
Und ich glaube, dass man Nintendos neuestes Gerät (und ich schreibe hier ganz bewusst nicht „Nintendos neueste Spielekonsole“) genau aus diesem Blickwinkel betrachten muss.

Ich unterstelle Nintendo also mit der neuen Konsole keinesfalls etwas neu zu erfinden – aber mit der Kombination jeder Menge sehr durchdachter Elemente ein Produkt auf den Markt zu bringen, das so durchdacht ist, dass es weit mehr als nur bisherige Kunden ansprechen könnte. Und vor allem: weit mehr als nur klassische spielebegeisterte ansprechen könnte.
Nämlich weil es am Ende des Tages weit mehr für den Konsumenten sein soll, als ein dediziertes Spielegerät.
Denn: wohin hat sich der Markt bewegt?

Genau: Zu vielseitigen, extrem universell einsetzbaren Geräten (mit einer hohen Leistungsfähigkeit), die so wenig wie möglich einem dedizierten Einsatzfeld zuzuweisen sind, sondern vor allem offen und auf unterschiedlichste Arten verwendbar sind.
Natürlich kauft man mit der Nintendo Switch zunächst mal eine „Spiele“konsole… Genauso wie man immer noch ein Smart“phone“ kauft, wenn man ein iPhone erwirbt.
Dennoch würde ich zum momentanen Zeitpunkt noch wetten, dass die nächsten großen technischen Informationen zur Nintendo Switch unter anderem eine sehr umfassende API bereithalten (und zwar für jede Menge Funktionalitäten, auch außerhalb des Spielesektors).
Bis es soweit ist, könnte ich natürlich auch komplett falsch liegen und momentan einfach viel zu viel in Nintendos neuestes Gerät und die Geheimniskrämerei drumherum interpretieren.
Sollte es sich aber wirklich herausstellen, dass die Nintendo Switch über eine ebenso offene Architektur verfügt, wie es sein flexibler Formfaktor vermuten lässt, dann wird es sehr eindeutig, welchen Plan Nintendo da wohl verfolgt:

Wenn die Smart“phones“ und Tablets dieser Welt so unverschämt waren und (wenn auch eher unbeabsichtigt) ein sehr großes Stück vom (mobilen) Spielemarkt erobert haben, dann scheint doch die logischste Strategie, genau diesen Spieß umzudrehen und etwas so universelles auf den Markt zu bringen, dass der Durchschnittskonsument sich beim nächsten Tabletkauf womöglich überlegt, ob er wirklich nur so etwas banales und eingeschränktes wie ein simples Tablet kaufen möchte, oder zum etwa gleichen Preis etwas so vielfältig einsetzbares wie Nintendos neueste „Spiele“konsole.

Somit könnte es also nicht schaden, die Nintendo Switch als Entwickler auf dem Radar zu behalten -> eben auch wenn man mit digitalen Spielen nichts tu tun hat.
That’s it. Man darf gespannt also sein ;). Stay tuned.

*Backuplan: Tatsächlich hat Nintendo im Jahr 2016 gleich zweimal ein großes Tabu gebrochen. Mit der offiziellen Ankündigung von „Mario Run“ für das iPhone 7, ging Nintendo erstmals gegen seinen eigenen Grundsatz vor, nicht für andere Systeme entwickeln zu wollen. Und der Erfolg des Spiels, welches erst kürzlich released wurde, gab Nintendo recht.
Über ein Hintertürchen hat Nintendo diesen Grundsatz aber tatsächlich schon etwas früher im selben Jahr gebrochen (sehr erfolgreich) -> die Rede ist von Pokemon GO für iOS und Android (das durch das extrene Developmentstudio Niantic entwickelt wurde, hinter dem aber dennoch letztendlich Nintendo steht) war das erste Mal, dass ein Spiel aus einer der hauseigenen starken Franchisereihen im großen Stil für externe Systeme produziert wurde.
Noch vor den Ankündigungen der Nintendo Switch hat Nintendo also bereits auch einen Fuß in den Sektor mobiler Games für Smartphones (also die momentan stärkste Konkurrenz) gesetzt.
Diese Tür kann Nintendo natürlich jederzeit wieder schließen und weiterhin exklusiv für eigene Systeme produzieren (was wahrscheinlich der Fall sein wird, wenn die Nintendo NX den gewünschten Effekt und Erfolg mit sich bringt) -> aber alleine schon diese taktische Neupositionierung (entgegen aller alten Prinzipien des Konzerns), deutet darauf hin, dass Nintendo sich in jedem Fall bewusst ist, sich in der Zukunft ein wenig anders aufstellen zu müssen. Schon alleine deshalb scheint es noch wahrscheinlicher, dass hinter dem Gesamtkonzept der Nintendo Switch wesentlich mehr als nur die Veröffentlichung einer banalen neuen Spielkonsole stecken wird.

**Extrem durchdachte Details: Alleine die Tatsache, dass die Nintendo Switch einen integrierten, ausklappbaren Standfuß besitzt, zeigt, wieviel Überlegung hinter jedem Detail dieser Konsole steckt ;D.
Aber mal echt: Ein integrierter, ausklappbarer Standfuß –> Wie genial ist das? Warum hat da nicht schon längst ein Hersteller daran gedacht??! ;D

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